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Geradewegs zum Kreislauf: Das Wildnisgebiet

Wo Prozesse ungestört ablaufen und Menschen zusehen dürfen
Blick vom Aussichtsturm über die Weite der Königsbrücker Heide

Wildnisgebiete bilden die strengste Schutzgebietskategorie. Auf einer Fläche von wenigstens 1000 Hektar soll sich die Natur ungestört entwickeln können. Frei ablaufende Prozesse in einem fast infrastruktur- und nutzungsfreien Gebiet sind das Ziel. So können sich besondere Ökosysteme frei entwickeln und Arten ansiedeln, die anderenorts durch vielfältige Nutzungsformen verdrängt werden.

Bäume dürfen alt werden, sterben schließlich ab, geben dabei unter anderem seltenen Käferarten Lebensraum und schließlich auch nachfolgenden Pflanzen eine Chance. Hier kann sich der Kreislauf der Natur schließen.

In Deutschland gibt es nur wenige solcher Gebiete, die vom Menschen nicht betreten werden dürfen. Ausnahmen bilden Forschungsprojekte, die die Entwicklung begleiten und Schlussfolgerungen für unsere Kulturlandschaft ziehen. Die Öffentlichkeit darf immerhin auf ausgewiesenen Wegen am Rand der Schutzgebiete teilhaben.

Dass es nur so wenige Wildnisgebiete gibt, liegt an den besonderen Ansprüchen, die zu ihrer Ausweisung notwendig sind. Häufig liegen sie als Teilfläche in großen Naturschutzgebieten oder in der Kernzone von Nationalparks

Derzeit stehen nur etwa 0,6 % der Landesfläche als Wildnis unter Prozesschutz. Als Ziel waren bis 2030 zwei Prozent geplant.

Nicht nutzbar oder besonders wertvoll?

Prozesschutz bedeutet, dass nur in die natürliche Entwicklung eingegriffen wird, wenn Gefahr für die umliegende Bevölkerung besteht. Dies ist etwa bei Waldbränden der Fall.

Solche Gebiete werden gern auf Flächen angelegt, die für den Menschen nur schwer (weiter) nutzbar wären, so beispielsweise auf alten Truppenübungsplätzen. Während sie für uns Menschen erst aufwendig beräumt werden müssten, siedeln sich Pflanzen und Tiere bald von selbst wieder an.

Schnell wird aus öder Landschaft eine neue Wildnis. Zielstrebig scheinen diese Prozesse zu verlaufen, und doch sind sie unvorhersehbar. Eine Art ist schneller da als erwartet, eine andere bleibt aus oder ein Naturereignis – z. B. Sturm oder Hochwasser – bringt die Abfolge durcheinander.

Beispiele sind etwa die beiden ehemaligen Truppenübungsplätze Jüterborg im Südteil des Naturparks Nuthe-Nieplitz sowie die Königsbrücker Heide am Rand der Westlausitz. Letztere ist übrigens das erste deutsche Naturschutzgebiet, das auch nach internationalen Standards als Wildnisgebiet anerkannt ist.