Mit Begriffen wie „Natur“ und „Landschaft“ verbindet jeder meist das, was er von zuhause kennt. Was er jeden Tag sieht und erlebt. Doch unsere Natur, ihre Landschaft und die dort vorkommenden Arten unterscheiden sich von Ort zu Ort stark. Und somit auch unsere Vorstellungen.
Vom Meer bis in die Alpen sind es nur etwa 800 km. Von der Wasserkante bis zu den Gipfeln sind jedoch auch fast 3000 Höhenmeter zu überwinden. Und dazwischen gibt es natürlich noch viel mehr.
Die 16 deutschen Nationalparke spiegeln genau diese Vielfalt wieder. Aus diesem Grund ging es letzte Woche um die Frage, was denn ein Nationalpark ist. Auch die Sächsische Schweiz mit ihren markanten Sandsteinformationen als ein bekanntes Beispiel wurde vorgestellt. Diesmal sollen zwei weitere Regionen näher betrachtet werden.
Von 0 bis 2.700 Meter über dem Meeresspiegel
Ok, genaugenommen geht es sogar bereits unter dem Meeresspiegel los, denn zahlreiche Bewohner der Wattenmeer-Nationalpärke leben im Wasser.
Dem Wattenmeer und den Berchtesgadener Alpen ist nicht nur ihr Status als Nationalpark gemein.
Meer und Berge, Nord und Süd, Flach und Hoch:
So gegensätzlich die beiden Regionen auch wirken mögen, stehen beide zugleich für eine besondere Vielfalt.
Vielfalt an Lebensräumen. Vielfalt an Arten. Vielfalt an Ansprüchen der Arten an ihre Lebensräume. Und vor allem für eine Vielfalt an Anpassungen an extreme Lebensbedingungen.
Wasser oder kein Wasser?
So ist die deutsche Nordseeküste für ihre Gezeiten bekannt. Ebbe und Flut wechseln sich zwei Mal am Tag ab. Und beeinflussen dadurch die Tierwelt, die sich an den Wechsel zwischen Trocken und Nass angepasst hat.
Während Muscheln, Krebse und Schnecken sich im Schlamm vor dem Austrocknen verschließen, nutzen Vögel die Wattflächen zur Nahrungssuche. Mit der Flut wechseln sie zurück in die Uferregion.
Doch auch diese ist von den Gezeiten geprägt. Regelmäßige Überschwemmungen und der damit verbundene hohe Salzgehalt stellen eine besondere Herausforderung für die Vegetation dar. Der Queller beispielsweise ist eine der wenigen Pflanzen, die hervorragend an diese Bedingungen angepasst ist. Die krautige Pflanze entwickelt keine richtigen Blätter. Dafür kann sie das Salz einlagern, ohne weiter Schaden zu nehmen.
Außerhalb der Salzwiesen ist der Queller jedoch der Konkurrenz anderer Arten unterlegen, die er auf seinem anspruchsvolleren Standort nicht hat. Mit der Vegetation der Salzwiesen spezialisiert sich auch die Insektenvielfalt.
Das Wattenmeer erstreckt sich über gleich drei Nationalparke, die zusammen etwa 8.000 km² ergeben. Nur 3 % davon sind aber Landfläche, also rund 240 km². Der Rest ist Wasser oder eben Watt, je nachdem.
Luftige Höhen

Etwas kleiner scheint die Fläche des Nationalpark Berchtesgaden mit 110 km². Aufgrund des Reliefs dürfte es aber etwas mehr sein. Vom Königssee auf 603 Meter über dem Meeresspiegel geht es weitere 2.110 Meter nach oben bis zum Gipfel des Watzmann.
Mit der Höhe nimmt die Vegetation ab und die Raue des Klimas zu. Große Tag-Nacht-Unterschiede in der Temperatur, starke Winde in den Höhenlagen sowie Sonne, Regen und Schnee bestimmen das Leben an den Felswänden. Wer dort überleben will, muss widerstandsfähig sein.
So haben sich Alpen-Enzian und Edelweiss als bekannte Arten auf die felsigen Untergründe und alpinen Wiesen spezialisiert. Sie haben eine geringe Wuchshöhe und das Edelweiss zusätzlich eine haarige Schicht gegen die UV-Strahlung.
Auf kalkreichen Böden ist auch der Almrausch (Alpenrose) anzutreffen. Dieser Zwergstrauch kommt auch in etwas tieferen Lagen gemeinsam mit den Heiden vor.
Natürlich gibt es auch tierische Spezialisten. Zu den größten und beeindruckendsten gehören die Bartgeier. Seit einigen Jahren werden sie im Nationalpark wieder angesiedelt. Auch im vergangenen Jahr wurden zwei der Könige der Lüfte ausgewildert.
Ausblick
Neben den vorgestellten Regionen gibt es noch viele weitere Besonderheiten in den Nationalpärken. Sie alle lohnen sich zu entdecken, würden hier aber den Rahmen sprengen. Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, eine der Regionen selbst zu entdecken?
Einen Überblick über alle Nationalparks gibt es hier: https://www.bfn.de/nationalparke
Hier soll in der nächsten Woche dafür eine weitere Schutzgebietskategorie vorgestellt werden, die in Deutschland bislang nur selten vorkommt. Schauen Sie also unbedingt wieder vorbei 😉
