Von harmlosen Motten und langen Prozessionen
Die Beitragsreihe zu den verschiedenen Schutzgebietskategorien wird diese Woche durch einen kleinen Exkurs zu ein paar besonderen „Spinnern“ unterbrochen. Dabei werden gern verwechselte Falterarten näher betrachtet.

Im Mai lassen sich an einigen Büschen große, weiße Gespinste entdecken. Viele schreiben sie dem Seidenspinner zu, welcher aus Asien stammt. Dank der Seidengewinnung mithilfe der Raupen sind einige Arten auch in Europa heimisch geworden.
Für die Gespinste sind sie allerdings nicht verantwortlich. Diese stammen von Vertretern der Gespinstmotten, welche aber ebenso harmlos für den Menschen sind. Sie fressen zwar die befallenen Büsche kahl, diese können aber – häufig noch im selben Jahr – neu austreiben.
Ebenfalls zu Verwechselungen kommt es aber auch mit den Prozessionsspinnern. Davon sind in Mitteleuropa potenziell drei Arten anzutreffen. Diese bauen ihre Nester jedoch nicht in den niedrigen Sträuchern, sondern im jeweils namensgebenden Baum. Während der Kiefernprozessionsspinner eher im Norden und Osten verbreitet ist, lebt der Pinienprozessionsspinner im Mittelmeerraum. Der Eichenprozessionsspinner kommt gemeinsam mit seinem Wirtsbaum im westlichen und südlichen Teil Europas, überwiegend im Flachland vor.

Die drei Arten ernähren sich von den Blättern beziehungsweise Nadeln der Bäume, was bei starkem Auftreten der Raupen zu Schäden an den Pflanzen führen kann. Die Raupen der Nachtfalter schlüpfen aus den Gespinsten, welche an den Ästen der Bäume hängen. Im Anschluss haben sie drei Möglichkeiten, den Boden zu erreichen: Entweder kriechen sie am Stamm nach unten, seilen sich ab oder lassen sich – wenn es als Tarzan nicht klappt und der Faden reißt – einfach vom Baum fallen. Danach geht es gemeinsam als lange Prozession hintereinanderher weiter. Daher auch der Name. Zum Verpuppen graben sie sich in den Sand ein.
Von diesen Ketten, welche aus bis zu fünfzig Individuen und mehr bestehen können, sollte man aber tunlichst Abstand halten. Die langen Nesselhaare können starke Hautreizungen verursachen. Also besser von Weitem staunen!
Es gibt jedoch auch Tiere, denen das Gift nichts ausmacht und die die Raupen zum Fressen gern haben. Hierzu gehören unter anderem ein paar Wespen-, aber auch zahlreiche Vogelarten.

Somit zeigt sich: Hinter den „Seidenspinnern“ steckt noch viel mehr! Von harmlosen Motten bis hin zu Raupen, die in einer Prozession nicht nur sieben Köpfe haben.
