Naturschutzgebiete sollen geschützten Arten und deren Lebensräumen, Landschaften oder auch natürlichen Prozessen Raum geben. Manche Menschen empfinden sie als Beeinträchtigung aufgrund des Wegegebotes oder anderer Bestimmungen. Für viele sind sie jedoch auch eine tolle Möglichkeit, auf Lehrpfaden, Wander- und Radwegen oder mittels sogenannter „Schaufenster“ die Natur zu erleben.
Schutzgebiet ist nicht gleich Schutzgebiet
Nationalparke etwa verfolgen andere Ziele und Herangehensweisen als Naturparke, Biosphärenreservate oder Landschaftsschutzgebiete. Sie alle haben den Zweck, die Natur zu schützen. Dabei wird der Mensch jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Im Gegenteil, häufig wird er sogar mit einbezogen und ein Miteinander steht im Fokus.
Um einen Überblick über diese doch teilweise ähnlich klingenden Begriffe zu geben, soll eine Beitragsreihe die verschiedenen Gebietstypen vorstellen. Dabei wird deren Vielfalt und die Diversität, die ihre Natur bietet, anhand von Beispielen präsentiert. Den Anfang sollen die klassischen Naturschutzgebiete machen.

Naturschutzgebiete in Deutschland
Von der Insel Vilm im Nordosten bis zum Federsee im Südwesten und darüber hinaus gibt es in Deutschland etwa 9000 Naturschutzgebiete (NSG). Einige davon sind kaum einen Hektar groß, andere haben hingegen eine Fläche von mehreren Quadratkilometern.
Naturschutzgebiete gehören zu den strengsten Schutzgebietsformen, da sie nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden dürfen. Eine Nutzung, etwa land- oder forstwirtschaftlich, ist nur bedingt möglich und darf den Zustand des Gebietes nicht verschlechtern. Ziel ist es, bestehende Biotope und dort lebende Arten zu erhalten oder ihnen auch die Möglichkeit zu geben, sich anzusiedeln. Regionale Besonderheiten werden dabei ebenso geschützt wie Arten und Lebensräume, die als gefährdet gelten.
Viele solcher Gebiete werden der Naturentwicklung überlassen. Durch diesen „Prozessschutz“ entwickeln sich Gebiete selbst dann naturnah, wenn sie zuvor genutzt wurden. In anderen finden hingegen Pflegemaßnahmen statt, um die wegfallende Nutzung auszugleichen und einen speziellen Zustand zu erhalten. So wird beispielsweise eine Wiese weiterhin gemäht, um ihr Zuwachsen zu verhindern und bestimmte Pflanzen, etwa Orchideen, zu bewahren.
Auf einer Karte des Bundesamtes für Naturschutz sind alle Naturschutzgebiete verzeichnet. Zusammen nehmen sie knapp 5 % der deutschen Landesfläche ein. Zum Vergleich: das Verkehrsnetz beansprucht ebenfalls 5 %, Bebauungen (Häuser, Industriegebiete, …) machen sogar 7 % der Landesfläche für die Allgemeinheit unzugänglich*.
Häufig kommt man an einem NSG vorbei, ohne es wirklich zu bemerken, da die Gebiete teilweise sehr klein sind und keinen bekannten Namen haben. Zu erkennen sind sie aber immer an den gelben Schildern mit der schwarzen (Waldohr-) Eulen. In Westdeutschland sind die Schutzgebiete teilweise auch noch mit einem Seeadler in einem grün-weißen Dreieck gekennzeichnet. Häufig gibt es Möglichkeiten, die Natur trotz Wegegebot zu erleben und zu genießen.
Die Insel Vilm als Beispiel
Ein bei Kunstliebhabern und Naturinteressierten bekanntes Naturschutzgebiet bildet die knapp einen Quadratkilometer große Insel Vilm vor Rügen im Greifswalder Bodden.
Schätzungsweise dreihundert Jahre alte Buchen und Eichen bieten seltenen Pilzen und Insekten Lebensraum. Fast schon ein kleiner Urwald, umgeben von besonderen Küstenformen. Eigen sind aber auch die Formen einiger Bäume. Diese sind beispielsweise durch Unwetter entstanden.
Die Internationale Naturschutzakademie hat hier eine Station, ansonsten ist die Insel Besuchern nur während geführter Touren zugänglich. Bei diesen kann man jedoch die Insel auf einem Rundweg erleben und Neues lernen. Auch die Geschichte der Insel und ihre frühere Nutzung ist sehr interessant.
![]() Auf der Insel Vilm dürfen Bäume alt werden. | Was sie wohl schon alles erlebt haben? |
Der Federsee: Rückkehr der Natur
Ein mindestens ebenso sehenswertes Naturschutzgebiet befindet sich am gegenüberliegenden Ende Deutschlands in Baden-Württemberg.
Der Federsee bei Bad Buchau ist 1,4 Quadratkilometer groß und von 33 Quadratkilometern Moor umgeben. Dieses kann auf Lehrpfaden entdeckt werden. Am See selbst führt ein Holzsteg zu den Bewohnern der Wasserwelt. Das Vogelparadies lockt nicht nur zahlreiche Arten, sondern auch viele Naturbegeisterte an.
Genauso artenreich sind die angrenzenden Wiesen. Zahlreiche Schmetterlinge und andere Insektenarten lassen sich beobachten.
Früher wurde das Gebiet – wie viele andere Moore auch – entwässert. So wurde der Torfabbau und die landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht. Mittels der Renaturierung und Unterschutzstellung sollte das Gebiet um den Federsee erhalten und die Artenvielfalt gefördert werden. Im Federseemuseum kann die Geschichte des Sees entdeckt werden.
Diesen verbindet mit der Insel Vilm nämlich nicht nur die Tatsache, dass es sich um Naturschutzgebiete handelt. Beide sind während der letzten Eiszeiten vor etwa zehn- bis sechstausend Jahren entstanden.

Nachdem nun „das“ Naturschutzgebiet vorgestellt wurde, soll es in den folgenden Beiträgen um weitere Schutzgebietskategorien gehen. Bei einigen von ihnen steht neben der Natur auch der Mensch im Vordergrund. So etwa in einem Naturpark, der nächste Woche präsentiert wird.


Was sie wohl schon alles erlebt haben?