Wenn Nesthocker flügge werden

Während Nestflüchter vom Moment des Schlüpfens an ihren Eltern folgen und gleich lernen müssen, wie sie Nahrung finden, haben Nesthocker es leichter. Im Nest werden die jungen Vögel einige Zeit gewärmt und gefüttert. Doch irgendwann müssen auch sie ausziehen. Das Fliegen ist oft erstaunlich schnell gelernt. Beim Futtersuchen ist es hingegen schon schwieriger.
Erstmal bei Mama und Papa bleiben
Viele Vögel füttern ihren Nachwuchs auch noch einige Tage in Nestnähe, nachdem er das Nest bereits verlassen hat. Als sogenannte Ästlinge warten die hungrigen Jungen und sehen dabei ihren Eltern zu. Andere ziehen als Familienverbände umher. So schließen sich die Meisen auch artübergreifend zu größeren Gruppen zusammen und sind gemeinsam mit ihrem Nachwuchs unterwegs.
Auch die Rauchschwalben bleiben noch einige Zeit bei ihren Eltern. Tagsüber sitzen sie dann an gut anfliegbaren Stellen und lassen sich füttern. Abends finden sie sich wieder an ihrem Nest ein. Einige Tage bis wenige Wochen dürfen sie noch zuhause schlafen.
Wenn man dann dazukommt, wie sie so nebeneinander sitzen und ruhen, könnte man fast meinen, sie wären noch nie ausgeflogen. Die Eltern schlafen irgendwo in der Nähe. Aber irgendwann wird das Nest zu klein. Dann wird es wirklich Zeit, sich allein zu versorgen. Denn ab Ende Juli geht es in den Süden.
Eine leicht (un-?) verdiente Mahlzeit
Neuntöter werden zunächst ebenfalls als Ästlinge gefüttert. Bald müssen aber auch sie lernen, wie man Insekten fängt. Letztes Jahr habe ich einen jungen Neuntöter beobachtet, der eine geschickte und bequeme Methode zur Nahrungsbeschaffung entdeckt hat:
Er saß dicht an einem Spinnennetz auf einem Strauch. Aus diesem hat er die Beute der Spinne gepickt. Und zum Schluss hat der kleine Schmarotzer sogar die Netzeigentümerin erwischt!
Das zeigt: Ideenreichtum füllt den Magen. Insekten konnte der junge Neuntöter vielleicht noch nicht fangen. Aber wozu auch, wenn es so einfacher geht? Anschließend hat er sich noch an derselben Stelle ausgiebig geputzt und ausgeruht. Möglicherweise hat er aber auch nur abgewartet, ob sich weitere Insekten in dem Netz verfangen?
Rauchschwalben und Neuntöter zeigen also: Es lohnt sich auf jeden Fall, zu beobachten, wie (junge) Vögel lernen und sich Futter beschaffen. Dabei entwickeln sie einfallsreiche und verblüffende Strategien!
