Vor ein paar Tagen war ich auf einem schmalen Weg im Wald unterwegs, als sich plötzlich eine der Wurzeln ein Stück vor meinen Füßen bewegte.

Eine etwa sechzig Zentimeter lange, braun gezackte Kreuzotter kroch zielstrebig an den Stamm eines Baumes heran. Sie verharrte dort zwischen Wurzel und Boden. Dabei sah sie in meine Richtung.
Längst schon war ich stehen geblieben, auch um ihr nicht zu nahe zu kommen. So fühlte sie sich nicht bedroht und auch für mich bestand keine Gefahr. Neben der Aspisviper im südlichen Baden-Württemberg ist sie die einzige Giftschlange in Deutschland. Für Menschen ist das Gift jedoch nicht lebensgefährlich. Beschwerden kann es dennoch verursachen.
Solange man die Tiere nicht bedrängt oder gar zu greifen versucht, beißen sie in der Regel aber nicht. Im Gegenteil wählen sie häufig die Flucht oder bleiben in einem Versteck, bis wir wieder verschwunden sind. Ein Grund, warum wir sie so selten sehen.
Sehen mit der Zunge
Apropos sehen: Die Kreuzotter blickte züngelnd in meine Richtung. Da ich mich nicht bewegte, konnte sie mich nicht genau einordnen. Stattdessen versuchte sie mich zu riechen. Wie auch andere Schlangen nimmt die Kreuzotter mit ihrer Zunge Geruchspartikel aus der Luft auf und verarbeitet sie mit einem Organ am Gaumen. Mit diesem kann sie die Gerüche erkennen. Außerdem spürt sie Erschütterungen.
Kreuzottern werden höchstens achtzig Zentimeter lang, die Weibchen sind dabei kräftiger gebaut. Das deutete daraufhin, dass ich es vermutlich mit einer weiblichen Kreuzotter zu tun hatte. Sie bringen die Jungen lebend zur Welt, anstatt Eier zu legen. Die Eihüllen tragen sie bis dahin im Körper.
Bei den Männchen ist dafür häufig das namensgebende Muster ausgeprägter. Vor allem zur Paarungszeit im April ist oft deutlich das Zickzack-Muster auf dem Rücken zu erkennen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel 😉
Nicht nur die Tarnung ist schuld
Dass die Tiere so selten zu beobachten sind, liegt allerdings nicht nur an ihrem Verhalten. In Deutschland gelten Kreuzottern trotz ihrer weiten Verbreitung als stark gefährdet. Ihre Bestände gehen zurück. Wie viele andere Arten braucht sie unzerschnittene Lebensräume. Straßen beispielsweise stellen für sie eine große Gefahr dar.
Verschiedene Projekte versuchen, ihre Lebensräume zu erhalten. Hierzu gehören neben lichten Wäldern vor allem Moore und andere feuchte Lebensräume, aber auch Heideflächen. Diese bieten nicht nur den Schlangen wertvolle Habitate, sondern auch zahlreichen anderen Arten.
Um die kleine Giftschlange nicht weiter zu beunruhigen, setzte ich schließlich meinen Weg fort. Ob sie mir noch weiter züngelnd nachblickte? Oder langsam zu einem sonnigen Plätzchen kroch?
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Kreuzottern bei wissenschaftlichen Untersuchungen wiedergefunden und beobachtet werden, kommen Sie doch gern nächste Woche wieder 🙂
