Ein Maulwurf und eine Lektion fürs Leben

Nur selten begegnet man diesem unscheinbaren Tier, dessen Haufen vergleichsweise auffällig sind. Und nun saß da dieser Maulwurf, eine gute Handvoll, in einem Eimer am Amphibienzaun. Einmal hineingeplumpst, kam er allein nicht mehr heraus.
Mein Versuch ihm zu helfen, hat mir zwei Dinge gezeigt: Erstens: Gut gemeint, ist nicht gut gemacht.
Und zweitens: Was man nicht richtig kennt, das kann man auch nicht einschätzen.
Während die anderen, mit denen ich eigentlich die Kröten eingesammelt und über die Straße gebracht habe, noch zögerten, habe ich einfach vorsichtig nach dem ruhig sitzenden Maulwurf gegriffen und wollte ihn aus dem eingegrabenen Eimer herausheben. Doch mit unerwarteter Schnelligkeit wand sich die samtig-schwarze Walze herum und biss zu! Erschrocken zog ich die Hand zurück und starrte auf das Loch im Handschuh. Und malte mir lieber nicht aus, was ohne Handschuh gewesen wäre.
Wir stellten fest, dass wir dieses Tier und seine Fähigkeiten bisher gründlich unterschätzt hatten. Extrem flink, wendig und außerdem sehr wehrhaft.
Da nun keiner mehr den Maulwurf hochheben wollte, haben wir ihn in einen Becher kriechen lassen und auf der Wiese wieder ausgesetzt. Kaum wieder frei, buddelte sich das Tier verblüffend schnell in Sekundenbruchteilen ein und war verschwunden. Perfekt ans Graben angepasst mit seinen breiten Händen und kräftigen Armen, ließ er uns staunend zurück.
Ein Tier, dem gegenüber ich eigentlich keine Vorurteile hatte. Dachte ich zumindest, denn ich habe Maulwürfe immer als einen besonderen Teil der Natur betrachtet, nie als „Schädling“ oder dergleichen. Aber ich hatte eben auch keine Ahnung von ihnen, weswegen ich ihnen das Erlebte nicht zugetraut hätte. Und ist das nicht auch eine Art Vorurteil?
Ich denke, dieser Maulwurf steht symbolisch für viele andere Teile der Natur. Wenn jemand im Verborgenen sehr aktiv ist, wir aber allenfalls seine „Spuren“ sehen, wie gut kennen wir dann ihn persönlich? Was er imstande ist, zu leisten? Dieser kleine Kerl im Eimer hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, (auch weniger angenehme) Erfahrungen zu machen, um Vorurteile gegen Verständnis zu tauschen.
Im Naturjournal soll ‚Unsichtbares sichtbar‘ gemacht werden. Aus diesem Grund habe ich diese Begebenheit aus dem vergangenen April hier beschrieben. Vielleicht sieht ihn jetzt der eine oder die andere mit anderen Augen…
Ich möchte aber auch noch etwas näher auf den Maulwurf selbst eingehen:
Kleine Haufen, große Wirkung
Viele Gartenbesitzer ärgern sich über die Erdhaufen im Garten. Doch die Erde, die oben ‚zu viel‘ ist, fehlt unten. Mit seinen Gängen lockert der Maulwurf die Erde auf und durchmischt die Schichten. Dadurch können Pflanzen besser wurzeln und bekommen mehr Sauerstoff. Haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht, die angehäufte Erde des fleißigen Lieferanten zum Pflanzen zu nutzen?
Zwar erwischt der bis zu 16 Zentimeter große Graber auch mal einen Regenwurm, frisst aber genauso gern Larven und Engerlinge, die sich von den Pflanzen und deren Wurzeln ernähren. Schnecken stehen ebenfalls auf dem Speiseplan.
Somit ist der vermeintliche „Schädling“ ein Gartenhelfer, da er andere „Schädlinge“ vertilgt. Er wird etwa drei Jahre alt und ist standorttreu. Ein Revier kann übrigens eine Fläche von ein paar hundert bis hin zu mehr als tausend Quadratmeter Fläche einnehmen.
