
Graue Wolken hingen an den felsigen Gipfeln der Hohen Tauern. Erste Schneeflöckchen rieselten heraus und suchten sich langsam einen Weg ins Tal.
Trotzdem waren sie noch da, die Gänsegeier.
Am Nachmittag zogen sie zu fünft ihre Kreise hoch über dem Tal. Dabei hielten sie wohl Ausschau nach Nahrung.
Die Aasfresser sind selten allein anzutreffen.
Mehrere Paare brüten in Kolonien und auch die Junggeier ziehen in Gruppen umher.
In den Hohen Tauern verbringen sie allerdings nur den Sommer. Vor dem Winter geht es in den Süden.
Ab etwa vier bis fünf Jahren sind Gänsegeier fortpflanzungsfähig. Dann bleiben sie meist an einem Standort. Die Geier brüten unter anderem in Spanien, Kroatien, aber auch in den französischen und italienischen Alpen. Einige Vögel überwintern auch in Afrika.
In Frankreich und Italien wurden sie wieder angesiedelt.
Früher wurden die Gänsegeier wie auch andere Geier bejagt. Im Aberglaube erbeuteten sie nicht nur Weidetiere, sondern sollen auch Kinder gefangen haben. Dabei handelt es sich bei den höchstens zwölf Kilogramm schweren Vögeln um fast reine Assfresser. Was stimmt, dass sie verunfallte Weidetiere auf abgelegenen Almen fressen.
Langsam breiten sich die Gänsegeier wieder aus. Die Junggeier suchen auch außerhalb der Brutgebiete nach Nahrung. Findet einer von ihnen etwas, landen kurz darauf auch die anderen.

Gänsegeier haben, wie viele andere Greifvögel auch, sehr gute Augen. Selbst in luftigen Höhen erkennen sie Objekte immer noch scharf. So finden sie nicht nur ihr Futter, sondern können sich auch gut orientieren und der Gruppe folgen. Mit gut einem Meter Körperlänge und einer Flügelspannweite von zweieinhalb Metern bilden sie am Himmel imposante Erscheinungen.
Heute schien es im Tal und an den steilen Berghängen aber nichts zu holen zu geben. Nicht so schlimm, kommen Geier doch auch mehrere Tage ohne Nahrung aus. Nach einigen Runden an den schroffen Gipfeln vorbei zogen sie ihre Kreise weiter, ins nächste Tal.
