Die Natur des Jahres – Teil 6

Da es vielerorts nun frühlingshaft geworden ist, sollen in dieser Woche nun die Insekten den Abschluss zur „Natur des Jahres“ machen. Diese kommen jetzt wieder zum Vorschein und hängen wiederum mit anderen -wie Sie merken werden, auch mit bereits vorgestellten – Arten zusammen und wurden nicht grundlos ausgewählt. Ähnlich den Artikeln zu den Pflanzen des Jahres soll auch hier auf die Herkunft der Namen eingegangen werden.
Kennen Sie die Arten schon alle? Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Das Insekt des Jahres
Neben Unterkategorien wie „Schmetterling“ oder „Libelle des Jahres“ wird auch für alle Artgruppen zusammen ein „Insekt des Jahres“ ausgewählt.
Internationale Experten haben entschieden, dass 2026 der Warzenbeißer diesen Titel tragen darf. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und in der Schweiz.
Die große Heuschreckenart verdankt ihren Namen dem früheren Aberglaube, dass ihr Biss Warzen heilen könnte. So sollte sie die Warzen abbeißen und mittels der ätzenden Säfte, die sie dabei absondert, auch desinfizieren und heilen.
Der Warzenbeißer bewohnt offene und halbtrockene Magerrasen, aber auch Feuchtwiesen. Traditionelle Weiden und extensive Landnutzung können seinen Lebensraum erhalten. Inzwischen ist er leider selten geworden und nicht mehr so häufig wie zu der Zeit, als er bei der Behandlung von Warzen helfen sollte. Er bewohnt einen gleichfalls seltener werdenden Lebensraum, von dem auch viele andere gefährdete Arten abhängig sind.
Der Warzenbeißer ist mit seiner grünen bis braunen Färbung gut vor Fressfeinden getarnt, während er selbst sich von anderen Insekten ernährt. Sein Gesang ist allerdings nur bei mittleren 20 Grad zu hören.
Der Schmetterling des Jahres
Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling wurde vom BUND gewählt. Er ist der Kuckuck unter den Schmetterlingen – zumindest verhält er sich ähnlich schmarotzerisch. Denn die Larven lassen sich von Ameisen in deren Nester tragen. Dazu tarnen sie sich mit ihrem Geruch, um nicht gefressen zu werden. Im Nest angekommen, fressen sie die Ameisenlarven. Wirkt es nicht absurd, dass die Ameisen sich ihre Zerstörer (bzw. den ihres Nachwuchses) selbst heranholen?
Die Falter sind abhängig vom Wiesenknopf, einer Pflanze, und eben von den Wirtsameisen. Als solche sind nur wenige Ameisenarten geeignet. So erklärt sich der Name des Wiesenknopf-Ameisenbläulings gut. Er ist vor allem auf feuchten Wiesen anzutreffen. Bei intensiver Landwirtschaft oder Beweidung kommt es zur Verdichtung des Bodens, was die Ameisen und dadurch auch diesen Bläuling verdrängt.
Bis 8. März läuft in Österreich übrigens noch die Wahl zum Schmetterling des Jahres. „Blühendes Österreich“ und „Natur im Garten“ veranstalten hierzu eine öffentliche Wahl. Vielleicht möchten Sie sich die Kandidaten ja mal näher ansehen? Den Link zu der Online-Abstimmung und den Artportraits finden Sie am Ende des Textes.
Die Libelle des Jahres
Der BUND und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (Libellenkundler) haben sich für die Gemeine Winterlibelle entschieden. Diese und die verwandte Sibirische Winterlibelle sind die einzigen Libellen, die als erwachsene Tiere (Imago) überwintern. Möglicherweise kommt daher auch der Name.
Die Gemeine Winterlibelle braucht zusammenhängende Gewässer, wo sie sich nicht nur vermehren, sondern auch jagen kann. Aktuell ist die Art noch ungefährdet, steht aber symbolisch für ihren Lebensraum und dessen Vernetzung.
Die Biene des Jahres
Schmalbienen sind den Artenzahlen nach eine der größten Bienengattungen, gehören allerdings zu den kleinsten Arten. Ein Kuratorium zur „Wildbiene des Jahres“ hat die nur maximal einen Zentimeter große Glockenblumen-Schmalbiene gewählt. Diese nutzt fast ausschließlich Glockenblumen, daher der Name.
Wenn wir uns an die Pflanzen des Jahres zurückerinnern, fällt uns ein, dass die Wiesen-Glockenblume in Österreich zur Blume des Jahres gewählt wurde. Die Glockenblumen-Schmalbiene ist in ihrem Vorkommen an Glockenblumen gebunden und somit von deren Häufigkeit abhängig. Außerdem sind offene Sandstellen im Boden notwendig, damit sie ihre Nester anlegen kann.
Die Spinne des Jahres
Die Streifenkreuzspinne wurde von der Arachnologischen Gesellschaft ausgesucht und trägt ihren Titel wie der Warzenbeißer im gesamten DACH-Raum. Sie ist zwar kein Insekt, passt hier aber am besten dazu 😉
Der Achtbeiner ist an allen sonnigen Standorten anzutreffen, wenn er in Sträuchern oder Kraut sein Radnetz anlegen kann. Nach der Eiablage im Mai schlüpfen die Jungspinnen noch im Sommer. Den Winter verbringen sie versteckt in Moosen.
Die Streifenkreuzspinne gilt als häufig und daher ungefährdet. In diesem Fall soll die Wahl auf die Art aufmerksam machen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und Daten zu ihrer Verbreitung zu gewinnen.
Wenn Sie mehr zu den Wesen des Jahres erfahren wollen, finden Sie beim NABU eine Auflistung aller Arten mit weiterführenden Links:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/natur-des-jahres/2026.html
Und hier die angesprochene Wahl zum Schmetterling des Jahres in Österreich:
https://www.bluehendesoesterreich.at/presse/oesterreich-sucht-den-schmetterling-des-jahres-2026
Und weiter?
Ich bedanke mich, dass Sie die Reihe zur „Natur des Jahres“ bis zum Ende begleitet haben. Vielleicht gehen Sie ja jetzt (noch) aufmerksamer als zuvor durch die Natur und haben sogar das Glück, eine der vorgestellten Arten zu entdecken?
Beim Rothirsch etwa könnte das noch sehr leicht gehen, aber erinnern Sie sich noch an das Schnabeldeckelmoos? Oder an die „Furzgrundel“? Wie hieß sie gleich nochmal richtig?
Im Naturjournal soll es nun bunt durchmischt weitergehen, aber auch eine Beitragsreihe zu Schutzgebieten – zunächst in Deutschland – ist geplant.
Bleiben Sie also gespannt!
Und genießen Sie bis dahin die ersten warmen Sonnenstrahlen 😉
