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Lieber Frösche im Eimer als Kröten in der Tasche

„Blubb – blubb – blubb“
Lieber Frösche im Eimer als Kröten in der Tasche: Am Zaun haben sich einige Kammmolche und Knoblauchkröten gesammelt. Auch ein Bergmolch, eine Rotbauchunke und weitere Arten sind dabei.

„Blubb – blubb – blubb“ machte es ein Stück vor uns im Teich. Zu fünft standen wir an dessen Ufer und versuchten, in der Dunkelheit die Frösche zu erspähen. Längst war die Sonne untergegangen, hatte der Mond ihren Platz eingenommen. Während andere nun schliefen, fand das Konzert bei den Moorfröschen seinen Höhepunkt.

Der Wind fuhr leise durch die noch kahlen Bäume. Er war kühl, aber nicht zu kalt. Regen lag in der Luft. Gerade richtig für die Frösche, die gerade ihre Paarungszeit hatten.

Nur zu gern hätten wir die Tiere gesehen, deren Männchen sich jetzt blau färbten. In der Dunkelheit hatten wir jedoch nicht die geringste Chance, sie zu entdecken. Dafür lauschten wir gebannt ihrem leisen Blubbern. Lange hatten wir gewartet, ehe es endlich so weit war. Sind durch das Teichgebiet gelaufen und haben immer wieder gehorcht, ob sie sich nicht vernehmen ließen. Und dann endlich: Zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, fingen die Moorfrösche an. 

Keiner wagte sich zu bewegen und womöglich ein Geräusch zu verursachen. Fasziniert und gleichzeitig konzentriert versuchten wir, die Zahl der rufenden Frösche zu bestimmen. Denn derzeit finden Erfassungen statt, um zu ermitteln, wie viele Moorfrösche es gibt und an welchen Teichen sie vorkommen. Dabei spielt wohl auch ein Rolle, ob und welche Fische in einen Teich eingesetzt werden. Das Zählen war gar nicht so einfach, da die Moorfrösche zeitgleich aus mehreren Richtungen zu hören waren.

Auch eine Rohrdommel war am Teich. Wir konnten sie genauso wenig wie die Frösche sehen, aber ihr dumpfes „Ump“ war klar zu vernehmen. Der zu den Reihern gehörende, schilfbraun-gemusterte Vogel konnte nicht allzu weit von uns entfernt sein. Denn nicht nur dieser besondere Ruf, der die Luft vibrieren ließ, war zu hören. Sogar ihr Einatmen vor jedem Laut kam mit dem Wind hörbar zu uns herüber.

Ähnlich aufregend wurde es, als es dicht neben uns auf einmal zu rascheln begann. Doch es waren wohl nur einige Mäuse, die zwischen den Bäumen nach Nahrung suchten. Ein paar Wassertropfen schlugen auf dem Teich ein und kündigten den Regen an.

Junge Moorfrösche beim Übersetzen an der Straße
Zwischen den Zäunen werden die Handschuhe gewechselt, um mögliche Krankheiten (gefährlichen Pilzbefall) nicht zwischen den Populationen zu verbreiten.
Wanderwetter

Auch wenn es nicht so stark geregnet hatte in der Nacht, so war es doch von Vorteil. Denn bei feuchtem Wetter sind die Bedingungen für die Amphibien besser zum Wandern. Ist es zu trocken oder zu kalt, harren sie in einem Versteck aus, bis das Wetter für sie besser wird. Doch schöneres Wanderwetter bedeutet auch mehr Arbeit am Amphibienzaun.

Viele kennen wohl die planengesäumten Straßenränder. An diesen werden die Tiere gestoppt und fallen in die Eimer, welche in regelmäßigen Abständen am Boden eingegraben sind. Dort müssen sie warten, bis sie über die Straße getragen werden. Was nach Strapazen für beide Seiten klingt, rettet vielen Amphibien das Leben. 

Aus diesem Grund werden jedes Jahr viele Kilometer Zaun aufgestellt. 

Für uns von der AG Junge Ornithologen Oberlausitz war es am Wochenende aber keine Arbeit, die Zäune zu betreuen, sondern ein besonderes Vergnügen, auch wenn der AG-Name uns eher den Enten auf den Teichen und den Kranichen auf den Wiesen zuordnete. Doch wir stehen allen Themen offen und sind gern bereit, uns auch für diese einzusetzen. 

Wie Ostern, nur schöner: Was man alles so findet

Jemand verglich es mit Eiersuchen zu Ostern, diese Freude, was man wohl im nächsten Eimer finden würde. Denn da gab es eine ganze Menge: von den kleinen, hellen Teichmolchen bis hin zum großen, dunklen Bergmolch. Auch Kammmolche waren dabei.

Sehr viele gefleckte Knoblauchkröten sind am Morgen in den Eimern gelandet. Bei ihnen kann man die Männchen gut an ihren kräftigen Armen (Vorderbeinen) erkennen, mit denen sie sich an den Weibchen festhalten können. Diese sind dafür etwas breiter gebaut, da sie den Laich ablegen müssen.

Bei den wesentlich größeren Erdkröten verhält es sich recht ähnlich. Bei ihnen sind die Geschlechter aber auch am Größenunterschied insgesamt zu erkennen. In einem Eimer klammerte ein Männchen an seiner größeren Partnerin. Bei dieser Art lassen sich die männlichen Tiere auch gern das letzte Stück der Wanderung tragen.

Bei den Gras- und Wasserfröschen ist das Geschlecht und teilweise auch schon die Art aufgrund großer Ähnlichkeiten nicht so leicht zu bestimmen, weshalb wir teilweise nur ihre Anzahl notiert haben. Das Bestimmen und Aufschreiben gehört mit zur Arbeit am Amphibienzaun. Dadurch lässt sich die Häufigkeit der verschiedenen Arten im Vergleich zu anderen Gebieten oder Jahren und somit auch die Populationsentwicklung feststellen.

Bei den ebenfalls recht oft in den Eimern gefundenen Moorfröschen lässt sich die Erfassung hingegen gut durchführen. Neben den bereits bei den Kröten beschriebenen Merkmalen bezüglich des Körperbaus, färben sich die Männchen zudem blau oder wirken an den Kehlrändern zumindest rosa-violett. Die Jungtiere derweil haben dunkle Flecken an den Kopfseiten hinter den Augen und zwei deutliche Linien am Rand ihres Rückens, die sie etwas eckig wirken lassen.

Als kleinste Art waren auch ein paar Rotbauchunken dabei. Diese machen mit ihrer Färbung ihrem Namen alle Ehre. Obwohl sie im Vergleich zu den Erdkröten richtige Winzlinge sind, sind ihre Rufe zur Paarungszeit sehr weit zu hören.

Gut drüben angekommen: Knoblauchkröten am Teich
Einmal auf die andere Seite!

Nachdem wir die Frösche, Kröten und Molche jeweils bestimmt hatten, haben wir sie über die Straße auf die andere Seite getragen und behutsam am Teichrand wieder ausgesetzt. Das war jedes Mal der schönste Moment. Manche blieben noch etwas im Schlamm am Ufer sitzen, andere schwammen schnell davon und verschwanden aus unserem Blickfeld.

Es war faszinierend, diese kleinen Wesen so nah zu betrachten und gleichzeitig war es ein gutes Gefühl, ihnen auch noch helfen zu können.

Wo wir nur etwas warten mussten, bis die Straße frei war und in wenigen Schritten hinüber konnten, wäre es für die Tiere ohne die Zäune ein Spiel um Leben und Tod. Denn für sie ist der Weg wesentlich weiter, sie sind langsamer und werden häufig auch einfach übersehen. Damit uns das nicht auch passierte, trugen wir Warnwesten.  Einer der Autofahrer winkte uns freundlich zu. Ich war jedem dankbar, der etwas abbremste, wenn er an uns vorbeifuhr, denn die Zäune sind teilweise sehr dicht am Straßenrand aufgestellt.

Müll an der Bundesstraße – Muss das sein?

Bis Mittag hatten wir einiges geschafft. Ein paar Säcke Müll haben wir nebenbei auch gesammelt. Es ist erschreckend, was man an so einer Bundesstraße alles findet. Viel zusammen kam aber auch an den Zäunen. Schöner konnte das Eiersammeln zu Ostern auch nicht sein.

Lieber Frösche im Eimer als Kröten in der Tasche

Manch einer versteht vielleicht nicht, wie man sich bei der achtzigsten Knoblauchkröte noch wie bei der ersten freuen kann. Aber manchmal ist es einfach schön, so einfach helfen zu können und etwas Nützliches zu tun. Und Frösche im Eimer sind defintiv mehr Wert als Kröten in der Tasche. Denn wenn man die Moorfrösche dann abends in ihrem Teich angekommen rufen hört, lässt sich das nicht mit Geld aufwiegen. Und so freuten wir uns schon auf den nächsten Abend, an dem wir im Teichgebiet nach dem „Blubb- blubb – blubb“ lauschen würden.

Teichmolch auf Erkundungstour