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Nicht nur für Rindviecher: Beweidung im Naturschutz

Görlitz, 7. März.

Anlässlich des Internationalen Jahres der Weidelandschaften und des Hirtentums hat die Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz das Thema Beweidung in den Fokus ihrer Jahrestagung gerückt. Doch was hat das mit Naturschutz zu tun?

(c) Naturforschende Gesellschaft Oberlausitz e.V.
Die Mischung macht‘s

In breitgefächerten Vorträgen wurden verschiedene Apsekte beleuchtet. So brachte Eva Lehmann (Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft) den knapp 100 Teilnehmern die Beweidung mittels verschiedener Tierarten näher. Denn Beweidung ist nicht nur für „Rindviecher“: Die Mischung unterschiedlicher Ziegen- und Schafarten führt dazu, dass verschiedene Pflanzen verbissen werden.

Das dient einerseits der Verjüngung dieser Pflanzen, wie etwa bei der Heide. Aber auch die Offenhaltung besonderer Lebensräume ist wichtig. Zahlreiche Pflanzen und mit ihnen verbundene Insektenarten werden durch Verbuschung beeinträchtigt. Hierzu gehören etwa viele Orchideenarten oder auch der Wacholder.

Auch Kühe wie das Hereford-Rind und Pferderassen wie die Koniks kommen zum Einsatz. Diese sind sehr widerstandsfähig und kommen auch mit einem kargen Nahrungsangebot und sumpfigem Gelände zurecht. Dadurch können sie Landschaften beweiden, die durch den Einsatz von Maschinen nur schwer gepflegt werden können. 

So ein Mist!?

Die Beweidung wirkt sich aber nicht nur auf die Pflanzenwelt aus. So spielt der Dung der Tiere eine wichtige Rolle für eine Vielzahl von Pilzen und Käfern. Während Erstere sich nur an den Hinterlassenschaften bestimmter Tiere ansiedeln können, benötigen viele Käferarten den Dung zur erfolgreichen Fortpflanzung und Nachwuchsversorgung. Denn in der Natur gibt es keinen Müll, alles wird wieder- und weiterverwertet.

Unbezahlt oder unbezahlbar?

Doch auch ohne den Menschen wird die Natur gepflegt. So stellte Torsten Bittner die Bedeutung von Rotwild und Biber in der Königsbrücker Heide vor.

Der Biber beeinflusst dabei seinen gesamten Lebensraum. Denn durch das Anstauen fallen Flächen trocken, andere hingegen werden überschwemmt. Dadurch verändert sich die Vegetation und mit ihr die vorkommenden Arten. Vor allem die Vogelwelt wandelt sich mit. Das Rotwild währenddessen trägt mit seinem Verbiss dazu bei, dass Flächen offener bleiben sowie Heide und Ginster verjüngt werden.

Die natürlich vorkommenden Arten arbeiten sozusagen kostenfrei für uns, während Beweidung aufwendig umzusetzen ist. Daher stellt sich die Frage, inwiefern sie so gelenkt werden können, dass sich ihr Einfluss bestmöglich auf die Vegetationsentwicklung auswirkt. So beschrieb Dr. Bittner in seinem Vortrag, dass bei der Entnahme von Jungwuchs auf Heideflächen auch Ginster und einzelne Bäume zur Deckung stehen bleiben müssen. Denn nur so fühlt sich das Rotwild wohl und bleibt auf der Fläche.

Dr. Olaf Tietz (Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz) beleuchtete das Vorkommen weiterer natürlicher Landschaftspfleger. Er legte den Fokus dabei auf inzwischen ausgestorbene Arten wie etwa das Mammut. Zahlreiche archäologische Funde in den Tagebauen der Oberlausitz belegen deren Existenz.

Weitere Vorträge haben sich damit beschäftigt, wie die Landschaft wohl vor dem Menschen ausgesehen haben muss und wie sie sich mit seiner Ansiedlung und Nutzung gewandelt hat.

Konflikte lösen

Dass Weidetierhaltung nicht immer einfach ist, zeigte Patrick Irmer von der Fachstelle Wolf. Es ist wichtig Probleme ernst zu nehmen, noch wichtiger aber, Lösungen zu finden.

Und so machte er nicht nur die Ursachen transparent, sondern zeigte auch auf, wie diese vermieden werden können. Hierzu gehört beispielsweise die bewusste Anlage der Weidefläche im Verhältnis zu Lagemerkmalen wie Gewässern oder Abhängen. Dadurch soll das Miteinander von Wolf, Weidetier und Mensch möglich gemacht werden.

Ausgezeichnet

Zum Abschluss der Tagung präsentierte Anne Teuser ihre Arbeit zum Sumpfporst und seiner Populationsbiologie, wofür sie den Förderpreis der Naturforschenden Gesellschaft erhielt. 

Samuel Huths Arbeit zum Ortolan sollte ebenfalls eine Auszeichnung erhalten, auch wenn es ihm leider nicht möglich war, diese persönlich entgegenzunehmen.

Ich durfte mich ebenfalls über den Anerkennungspreis freuen, mit welchem meine Arbeit zur Brutvogelkartierung der Windwurfflächen in der Königsbrücker Heide ausgezeichnet wurde.