Kategorien
Uncategorized

Fisch, Lurch & Co. 2026

Natur des Jahres – Teil 5

Diesmal sollen ein paar Tierarten des Jahres vorgestellt werden, die allesamt nasse Lebensräume benötigen bzw. feuchtigkeitsliebend sind. Ein paar der Artgruppen lassen sich im Zusammenhang mit Wasser vielleicht schon erahnen. Aber auf eine Gruppe kommen Sie bestimmt nicht so schnell. Oder etwa doch?

Aber beginnen wir zunächst direkt im Wasser:

Die Fische des Jahres

Im Unterschied zum Lurch und Reptil des Jahres, zu denen wir nachher noch kommen, wird die Fischart des Jahres in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht gemeinsam gewählt.

Der größte: Der Europäische Wels

Der Deutsche Angelfischerverband sucht bereits seit 1991 zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz und der Gesellschaft für Ichthyologie e.V. eine Fischart aus. Dieses Mal haben sie sich für den Europäischen Wels entschieden, welchen sie als den größten einheimischen Süßwasserfisch beschreiben. Er erreicht eine Länge von bis zu drei Meter bei einem Gewicht von bis zu 150 Kilogramm.

Der Europäische Wels wird zwar als ungefährdet eingestuft, symbolisiert aber artenreiche und intakte Gewässerökosysteme. Auf seinem Speiseplan stehen viele andere Arten. Somit gilt er auch als Räuber, der diese beeinträchtigt. Sein Effekt wird über ein natürliches Maß hinaus verstärkt, da er in Flüssen angesiedelt wurde, in denen er nicht heimisch war. Auch Kanäle kann er für sich nutzen. Die Wahl des Europäischen Welses soll nicht nur auf seine Bedeutung für intakte Ökosysteme hinweisen, sondern auch als Aufforderung zum sachlichen Umgang mit dieser Art dienen. Denn er ist kein „Monster“, gehört aber eben auch nicht überall hin. Mehr dazu finden Sie hier:

https://www.dafv.de/projekte/fisch-des-jahres/der-europaeische-wels-ist-fisch-des-jahres-2026

Der Schlammpeitzger oder auch: „DIe Furzgrundel“

Das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz schreibt für den Fisch des Jahres eine Online-Wahl aus, welche zuletzt der Schlammpeitzger gewonnen hat.

Diese Art kann über den Darm atmen und bei Trockenheit im Schlamm überleben. Beim Ausatmen verursacht er ein Geräusch, dem er seine lustigen Spitznamen wie „Furzgrundel“ verdankt. Auch bei Gefahr gräbt sich der Schlammpeitzger ein.

Aus diesem Grund lebt er in langsam fließenden Gewässern, wo sich Schlamm anreichern kann. Der Fisch ist trotz seiner besonderen Anpassungen aber vom Aussterben bedroht. Ursache sind Gewässerregulierungen und Uferverbauung.

Auch hier können Sie mehr Informationen zu der Art finden:

https://www.fishlife.at/allgemein/fisch-des-jahres-2026-2/

1, 2, 3, 4… Elritzen!

Der Schweizerische Fischereiverband nominiert seit 2010 eine Fischart.

Die Elritze, Fisch des Jahres 2026, ist eine kleine Fischart und dient als wichtige Nahrungsquelle für größere Arten. In der Schweiz wurden vier Unterarten verzeichnet, von denen eine erst vor Kurzem entdeckt wurde. Alle diese haben sehr unterschiedliche Lebensraumsansprüche.

Daher sind die Elritzen teils gefährdet. Wie andere Fische auch, werden sie durch diverse Einflüsse des Menschen auf die Gewässer beeinträchtigt: von Verbauungen, welche das Wandern einschränken, bis hin zur Verschmutzung der Gewässer. Letztere betrifft jedoch nicht nur diese Fischart, sondern die gesamten Ökosysteme.

Die Wahl der Elritze soll darauf aufmerksam machen, dass außer dieser bisher unbekannten Unterart vielleicht noch weitere nicht entdeckte Arten in unseren Gewässern leben und berücksichtigt werden müssen.

Auch hier gibt es noch interessante Informationen:

https://sfv-fsp.ch/de/projekte/fisch-des-jahres/elritze-2026

Der Lurch des Jahres

Als nächstes betrachten wir jene Tiere, die teils im Wasser und teils an Land leben.

In der DACH-Region wird der Lurch bzw. das Reptil des Jahres gemeinsam gewählt. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) hat sich zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), dem NABU und der info fauna aus der Schweiz für dieses Jahr den Alpensalamander ausgesucht.

Wie der Name sagt, lebt die schwarzglänzende Art in Bergwäldern und zudem in alpinen Strauchheiden. Alpensalamander mögen es zwar feucht, brauchen aber kein Gewässer zur Fortpflanzung, da sie als einzige Art in Europa lebendgebärend vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt bringen. Dieses Alleinstellungsmerkmal nutzt ihm aber genauso wenig wie dem Schlammpeitzger seine besonderen Überlebenstricks. Denn bei dieser Fortpflanzungsart sind es keine hunderten Nachkommen wie bei laichenden Amphibien, sondern lediglich ein bis zwei Jungtiere. Und das nach einer Tragzeit von zwei bis vier Jahren! Somit ist es für ihn besonders schwierig, Verluste auszugleichen. 

Aufgrund seiner vergleichsweise geringen natürlichen Verbreitung setzen ihm auch Lebensraumverluste umso mehr zu. Außerdem sind neben dem Straßenverkehr Pilzinfektionen für den Alpensalamander gefährlich, welche durch Menschen verbreitet werden können. Hier helfen neben Rücksichtnahme auch saubere (desinfizierte) Schuhe, wenn man in entsprechenden Gebieten unterwegs ist.

Mit dieser Wahl zum Lurch des Jahres soll auf eine sehr faszinierende Art aufmerksam gemacht und ihre Heimat geschützt werden.

Beim Naturschutzbund Österreich lassen sich noch weitere Details rund um den Alpensalamander finden:

https://naturschutzbund.at/lurch-reptil-leser/items/2026-alpensalamander.html

Die Fledermaus des Jahres

Wenn Sie an Tiere denken, die es feucht mögen, fallen Ihnen bestimmt die Fische und vielleicht auch die Amphibien ein. Aber denken Sie dabei auch an Fledermäuse? Viele Arten suchen in der Luft über dem Wasser oder in Wassernähe nach Nahrung. Auch zum Überwintern benötigen sie feuchte Orte, damit ihre Flughäute nicht austrocknen und geschmeidig bleiben.

Die Fledermaus des Jahres wird alle zwei Jahre von den Mitgliedsverbänden von BatLife Europe gewählt. Bis einschließlich 2027 ist es nun der Kleine Abendsegler. Er ist der gefährdete Verwandte des bekannten Großen Abendseglers und benötigt vor allem im Sommer zahlreiche Baumhöhlen als Quartier.

Diese sind in vielen Wäldern aufgrund der Bewirtschaftung jedoch nur bedingt vorhanden, da die Bäume das nötige Alter nicht erreichen. Auch an Insekten als Nahrungsgrundlage mangelt es teilweise. Neben Baumhöhlen nutzt er zum Überwintern auch Gebäude und freut sich über entsprechende Unterschlupfmöglichkeiten.

https://naturschutzbund.at/fledermaus-leser/items/2026-kleiner-abendsegler.html

Das Weichtier des Jahres

In Deutschland wurde es zwar noch nicht neu festgelegt, aber in Österreich haben das Haus der Natur Salzburg und der Naturschutzbund ein Weichtier ausgewählt. Es ist die Kleine Walddeckelschnecke.

Sie lebt in kalkreichen Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit und verkriecht sich in schattige Bereiche. Das tut sie, um nicht auszutrocknen. Darauf ist sie noch mehr als andere Arten angewiesen, da sie keine Lunge hat, sondern über Kiemen atmet. Sie gilt jedoch nicht als gefährdet. 

https://naturschutzbund.at/weichtier-leser/items/2026-kleine-walddeckelschnecke.html

Zu guter Letzt…

Die vorgestellten Tierarten leben von uns eher unbemerkt. Zum einen sind sie wahre Tarn- und Versteckmeister, zum anderen teils aber auch so selten, dass wir sie fast nicht zu Gesicht bekommen. Aus diesem Grund werden sie durch die Wahlen zum jeweiligen Tier des Jahres in den Fokus gerückt.

Nach der kleinen Fledermaus sollen beim nächsten Mal noch kleinere Arten vorgestellt werden. Vermuten Sie schon, welche Tiergruppen zur Natur des Jahres noch fehlen? Ein kleiner Tipp: Ihre Artgruppen stehen zumindest teilweise auch auf dem Speiseplan des Kleinen Abendseglers…