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Artikel Leserwunsch des Monats

4,5 Mal um die Welt: Aus dem Leben des Kranichs

Diese Woche schauen wir uns den nächsten Leserwunsch an:

Kraniche – Vögel des Glücks mit 4,5 Erdumrundungen
Kraniche im Flug

Tagsüber haben sie auf Wiesen und Feldern nach Nahrung gesucht, doch mit der Dämmerung kommen sie an die schützenden Teichufer geflogen: In V-Formation fliegen die Kraniche heran, drehen einen Kreis über der Wasserfläche, strecken die Füße aus und „schweben“ schließlich am seichten Ufer ein. Der Landevorgang wird von trompetenden Rufen begleitet.

Im Herbst sind die Kraniche auf dem Weg in ihre Winterquartiere. Auf dem Durchzug machen sie aber auch Rast und sammeln sich. Ihre Rufe sind fast ebenso bekannt wie ihr Beiname: Vögel des Glücks. Sie gelten in verschiedenen Ländern als Frühjahrsboten, aber auch als Symbol des Friedens.

Kraniche brüten in Mooren, sumpfigen Wiesen, feuchten Wäldern und in verschilften Teichgürteln. In Deutschland nisten sie vor allem im (Nord-) Osten. Ihr Verbreitungsgebiet reicht aber auch bis in den skandinavischen Norden. In östlicher Richtung sind sie bis weit auf den asiatischen Kontinent verbreitet.

Auf dem Weg nach Süden

„Unsere“ Kraniche und ihre nordischen Artgenossen überwintern jedoch ein ganzes Stück weiter im Süden, im Mittelmeerraum. Anzutreffen sind sie dann in Südspanien und Portugal, aber auch in Nordafrika und auf dem Balkan, abhängig der Zugroute.

Welche Strecken ein Kranich im Laufe seines Lebens zurücklegt, lässt sich vor allem im Zusammenhang mit seiner Lebenserwartung gut veranschaulichen. Pro Winter fliegen die Vögel etwa vier- bis sechstausend Kilometer, um einmal in den Süden und wieder ins Brutgebiet nach Norden zu kommen. 

Kraniche können bis zu 20 Jahre alt werden. Als ausgewachsene Tiere haben sie kaum natürliche Feinde. Krankheiten und Kollisionen mit menschlicher Infrastruktur zählen zu den häufigsten Todesursachen.

Bei 20 Jahren und 5.000 Kilometern im Jahr ergibt das bereits 100.000 Kilometer Flugstrecke.

Zwischen Nahrungs- und Schlafplatz

Doch auch außerhalb der Zugzeit legen die Tiere täglich Strecken zurück, um zwischen Nahrungssgründen und Schlafplätzen zu wechseln. Die Distanz zwischen diesen beträgt durchschnittlich etwa zehn bis dreißig Kilometer.

Mit nur 20 Kilometern am Tag an 200 Tagen im Jahr und 20 Jahren Lebenserwartung kommen hier weitere 80.000 Kilometer hinzu.

Manche Kraniche fliegen zwar weniger weit, da sie vereinzelt auch in Deutschland überwintern. Andere legen aber dafür sogar deutlich weitere Strecken zurück. Insgesamt kann ein Kranich in seinem Leben also eine Strecke fliegen, mit der er fast 4,5 Mal die Erde umrunden könnte.

Die erste große Reise treten die meisten jungen Kraniche gemeinsam mit ihren Eltern an. Von ihnen lernen sie auch die Zugroute.

Andere Vogelarten reisen sogar noch weiter. Diese sogenannten Langstreckenzieher überwintern südlich der Sahara. Hierzu gehören beispielsweise die Rauchschwalben.

Wo die Vögel, die über unseren Köpfen kreisen, wohl schon überall waren?