Wie Wissenschaftler den Kreuzottern folgen

Fast hätte ich sie für eine Wurzel gehalten, als sich die Kreuzotter ein Stück vor mir plötzlich bewegte. Letzte Woche habe ich von meiner Begegnung mit der Schlange und über das gut getarnte Tier berichtet. An wie vielen Kreuzottern ich wohl bereits vorbeigegangen bin, ohne sie zu bemerken? Und wie viele mich wohl bereits beobachtet haben?
Doch wie erforscht man ein Tier, das so schwer zu entdecken und noch dazu selten ist?
Klein, kleiner, Ottern-Sender
Um mehr über das Raumnutzungsverhalten der Schlangen zu lernen, wurden in Forschungsprojekten neue Methoden entwickelt. So bekommen einzelne Individuen beispielsweise einen Peilsender. Mit diesem können Wissenschaftler ihre räumlichen Aktionen beobachten, also wo sie sich aufhalten und wie sie ihren Lebensraum nutzen. Dass Hirsche, Luchse oder Wölfe einen Sender tragen können, davon hat sicherlich schon der eine oder die andere gehört. Aber wussten Sie, dass das auch bei Schlangen möglich ist?
Da Kreuzottern höchstens achtzig Zentimeter groß werden, können sie natürlich kein schweres Halsband tragen, wie etwa die vierbeinigen, großen Tiere. Stattdessen wird bei einer Methode ein Sender auf ihre Haut geklebt, sobald sie die Mindestgröße erreicht haben. Das Gerät ist nur etwa so groß wie eine Knopfzelle.
Dadurch hat es aber auch nur einen kleinen Akku, der nur einige Wochen bis wenige Monate hält. Im Idealfall passt der Zeitpunkt, an dem der Sender dann ausfällt, mit der Häutung der Kreuzotter zusammen. Mit dem Wachstum, aber auch zur Paarungszeit erneuern die Schlangen ihre Haut und streifen die alte ab. So bleibt auch der (nicht mehr funktionierende) Sender nicht für ewig an dem Tier hängen.
Zwischen Stock und Stein?
Bis dahin kann über die Signale des Senders der Aufenthaltsort der Kreuzottern bestimmt werden. Mit diesen Daten wird das Raumnutzungsverhalten analysiert. Daraus ergibt sich, welche Strukturen die Tiere besonders bevorzugen, welche vielleicht auch meiden, wie groß ihre Aktionsräume sind und wie sie sich gegenüber Artgenossen verhalten.
Im Zusammenhang mit solchen Forschungen stehen Projekte zur Auswilderung der gefährdeten Art. Aber auch Maßnahmen zur Wiederherstellung und Instandhaltung geeigneter Biotope richten sich nach diesen Daten.
Wie wir uns letzte Woche bereits angesehen haben, sind beispielsweise Moore und lichte Wälder Lebensräume, die auch zum Schutz der Kreuzottern beitragen können.
