– Unsere Vögel am Futterhaus
Ein paar unterhaltsame Episoden und verstecktes Wissen 😉

Viele Menschen füttern vor allem im Winter gern ihre wilden, gefiederten Freunde. Diese nehmen das Angebot bei Schnee und Frost auch gerne an.
Dabei lassen sie sich in zwei Gruppen unterteilen, welche wie die Zugvögel (siehe Perspektiven des Vogelzugs) an ihren Schnäbeln zu erkennen sind.
Weichfutterfresser haben schmalere, längere Schnäbel und bevorzugen Haferflocken und Früchte. Hierzu gehören etwa Drosseln wie die Amsel oder auch das Rotkehlchen.
Körnerfresser haben hingegen einen keilförmigen Schnabel, mit dem sie Sonnenblumenkerne, kleine Nüsse und verschiedene Sämereien knacken können. So etwa Buch- und Grünfinken oder auch die Sperlinge. Meisen sind in der Futterwahl flexibler und auch Allesfresser, wie etwa Eichelhäher und Elster, lassen sich blicken.
Beim Beobachten der Vögel kommt es immer wieder zu besonderen Momenten. Ein paar dieser Begebenheiten sollen hier nun nacherzählt werden.
Schlau genug, um es zu erkennen – Aber zu doof, um ranzukommen?
Eine Blaumeise inspizierte die neue Futterröhre, welche in einem Strauch unweit des herkömmlichen Futterhauses hängt.
Auf einem Ast sitzend beäugte sie die durchsichtige Röhre, in welcher klar das Futter zu sehen war.
Immer wieder hämmerte sie mit ihrem Schnabel gegen das Plastik, um dann wieder nachdenklich das neue Ding anzustarren.
Die Blaumeise erkannte den Inhalt, wusste aber scheinbar nicht, wie sie ihn erreichen sollte.
Lange dauerte es, bis sie begriff, dass sie einfach nur einen Zweig nach oben hüpfen musste, um vor einem der Futterlöcher zu sitzen.
Bis dahin bewies die Meise aber Hartnäckigkeit. Beharrlich hämmerte sie mehrmals auf die Röhre ein. Hoffentlich kommt der Buntspecht nicht auf dieselbe Idee, denn das wäre vermutlich das Ende der Futterröhre. Worüber die Blaumeise aber vielleicht gar nicht so unglücklich wäre, würde doch dann der gesamte Inhalt am Boden liegen…
Ein bisschen Mitleid konnte man schon bekommen, wenn man sie so beobachtete. Am liebsten hätte ich die Meise genommen und ihr die Öffnung in der Röhre gezeigt. Doch Geduld zahlt sich aus und schließlich wurde sie doch noch fündig. Stolz zog sie den ersten Sonnenblumenkern heraus und machte sich schnell über ihn her.
Seitdem die Blaumeise verstanden hatte, wie sie schnell und ohne Kopfschmerzen an das begehrte Futter herankommt, wurde die Röhre nicht mehr malträtiert und sie kommt öfters zum Fressen vorbei. Auch von den anderen Meisen wird das seltsame, neue Ding gut angenommen.
Platz da, ich komme! – Die Spatzenbombe
Bei den Sperlingen wird hingegen das traditionelle Futterhäuschen bevorzugt. Vielleicht ist die Präferenz der Meisen für die neue Futterquelle aber auch nur eine Ausweichreaktion.
Denn während sie zahlreich bereits mehr oder weniger harmonisch am Futterhäuschen saßen, reichte der Schwung eines einzigen herankommenden Haussperlings aus, um alle anderen in die Lüfte zu jagen. Mittig landete der Spatz im Futter, man konnte das „Plumps“ fast hören. Zeitgleich flogen die Meisen in alle Richtungen davon. Triumphierend plusterte sich der Unruhestifter auf.
Doch das wollten die Meisen ihm nicht durchgehen lassen. Ein paar versuchten, wieder heranzukommen, ehe sie erneut vertrieben worden. Doch irgendwann waren es zu viele, weshalb der Sperling die bewährte Taktik noch einmal probierte.
Scheinbar zog er sich zurück, kam aber kurz darauf ebenfalls mit Verstärkung wieder. Mit einem neuen schwungvollen „Plumps“ landete er als Erster treffsicher in der Mitte der Futterfläche und wieder stoben die Meisen eilig davon.
Und mit einer Mischung aus Schmunzeln und Empörung stellte ich fest: Manchmal siegt wohl die Dreistigkeit.
Das andere Ende der Nahrungskette
Apropos dreist: Wer Singvögel füttert, füttert auch die Greifvögel mit.
Eine Tatsache, die vielen nicht unbedingt bewusst ist. Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich es gewagt habe, diese wahrscheinlich ungern gehörte These auszusprechen 😉
Wie der Haussperling zuvor die Meisenarten verdrängt hat, so ähnlich verjagte auch der Sperber die Spatzen, wenn auch ungewollt und zudem eleganter.
Ohne „Plumps“ aber mit genauso viel Effekt landete er auf der Hecke, woraufhin sich die Sperlinge möglichst weit in diese hinein verkrochen oder ganz das Weite suchten.
Trotz langem Warten ging der Sperber allerdings leer aus. Ähnliche Beobachtungen haben aber auch schon andere Vogelhäuschenbesitzer gemacht.
Wie die Spatzen?
Dass der Haussperling nicht unbedingt gerne teilt, haben wir nun schon gehört. Dabei ist er aber nicht der Einzige. Wer ebenso futterneidisch sein kann?
Nun, er hat zwei Arme statt zwei Flügeln und ist daher äußerst flugunfähig. Ahnen Sie, welche Art gemeint ist? 😉
Manch ein Gartenbesitzer lässt aber auch Beeren und Früchte an den Sträuchern übrig, an welchen sich unsere gefiederten Freunde stärken können.
Damit machen sie nicht nur den Vögeln eine Freude, sondern auch sich selbst, wenn sie das Glück haben, diese zu beobachten.
Einmal fiel ein etwa zehnköpfiger Schwarm Wacholderdrosseln in einen Sanddornstrauch ein. Während es nur etwa eine Viertelstunde dauerte, bis sie den vollhängenden Strauch komplett leer gefressen hatten, verging insgesamt fast eine Stunde, ehe sie zum Weiterflug bereit waren. Denn gute Kost will auch gut verdaut sein…
Es war verblüffend, wie schnell die Vögel alle Beeren verschwinden ließen. Das Abernten dieser hätte vermutlich mehr Zeit in Anspruch genommen. Ebenso faszinierend war es aber auch, die Wacholderdrosseln als eher seltene Gartenbesucher in Ruhe beobachten zu können. Das Reste lassen lohnt sich also für beide Seiten 🙂
Boxenstop: Einmal vollfüllen, bitte!
An einem anderen Tag waren es die Stieglitze, die nichts übrig ließen. Sie machten sich allerdings über das voll gefüllte und bis dahin unangetastete Futterhäuschen her. Vermutlich waren sie auf der Durchreise und entsprechend ausgehungert, denn sie schafften es zu zweit, das Häuschen bis auf das letzte Krümelchen leer zu fressen.
Wenn es bis jetzt keiner gefressen hatte, würde es wohl auch kein anderer mehr wollen, dachten sie vielleicht. Oder: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Nie und nimmer hätte ich es für möglich gehalten, dass zwei Finken alles allein auffressen könnten.
Eines Besseren belehrt, blieb uns nichts anderes übrig, als das Haus erneut aufzufüllen, nachdem sich die Stieglitze wieder auf den Weg gemacht hatten.
Ähnlich den Wacholderdrosseln brauchten sie aber noch eine ganze Weile, ehe die Pause beendet wurde. Denn mit so vollem Magen fliegt es sich schlecht…
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Sicherlich würden sich noch viele weitere Geschichten finden, von den Amseln, den Elstern oder von den Zaunkönigen.
Doch für diesmal soll es genug sein.
Vielleicht konnten Sie beim Lesen das eine oder andere Mal schmunzeln.
Ich hoffe, dass Sie nicht nur den Text unterhaltsam fanden, sondern vielleicht auch die Möglichkeit haben, selbst solche Geschichten zu erleben.
Und vielleicht denken Sie an die hämmernde Meise und den „Plumps“-Spatz, wenn Sie überlegen, welche Futterquelle Sie neu anbringen sollen 😉
