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Perspektiven des Vogelzugs

Zeig mal deinen Schnabel, ich will wissen, ob du in den Süden fliegst!

Goldammer

Schon unterwegs?

Viele haben es wahrscheinlich schon bemerkt: Fast alle Vögel sind verstummt, die Mauersegler sind verschwunden, Schwalben und andere Arten sammeln sich. Während sich die meisten Arten nach dem Brutgeschäft nun um die Mauser kümmern, sind andere bereits auf dem Weg in den Süden. 

Die Vögel orientieren sich mit dem Beginn des Zugs zum einen an den kürzer werdenden Tagen, zum anderen aber auch an den aktuellen Wetter- und damit verbundenen Nahrungsbedingungen im Brutgebiet. Unterschieden wird nicht nur zwischen Zug- und Standvögeln, welche bei uns bleiben, sondern auch zwischen Kurz-, Mittel- und Langstreckenziehern, je nachdem, wie weit sie fliegen: „nur“ bis in den Mittelmeerraum und nach Nordafrika oder sogar bis Südafrika und weiter.

Mehr zu dem Thema kann u.a. auch beim LBV nachgelesen werden: https://www.lbv.de/ratgeber/tipps-voegel-bestimmen/die-wichtigsten-zugvoegel/

Zugvogel oder nicht? – Auf den Schnabel geguckt:

Möchte man eine unbekannte Art bestimmen, wird häufig neben auffälligen Gefiedermerkmalen unter anderem auch die Schnabel- und Beinfarbe betrachtet. Die Schnabelform macht es möglich, den Vogel einer Gruppe zuzuordnen.

Sie gibt aber auch einen Hinweis darauf, ob der Vogel in den Süden fliegt oder bei uns überwintert. Bin ich mir bei einer Art mal nicht sicher, überlege ich nur kurz, wie er (oder genauer sein Schnabel) aussieht und wie sich ihm verwandte Arten verhalten. 

Kernbeißer

So haben Finken -hier abgebildet ein Kernbeißer- einen kräftigen, meist keilförmigen Schnabel mit dem sie Samen (und im Fall des Kernbeißers eben auch Kerne) knacken können. Das bedeutet, dass sie das ganze Jahr über bei uns Nahrung finden. Auch die Goldammer (Titelbild) hat einen leicht keilförmigen Schnabel. In der Brutzeit ernährt sie sich vornehmlich von Insekten, rund ums Jahr aber auch von Sämereien. Somit kann auch sie im Winter bei uns bleiben, ohne zu verhungern.

Anders sieht es hingegen bei Insektenfressern aus. Diese haben in der Regel spitze Schnäbel und sind auf den Insektenfang spezialisiert, können jedoch keine harten Früchte oder Samen aufknacken. Unten ist eine Schafstelze abgebildet, ihr langer, dünner Schnabel ist gut erkennbar verschieden zu den anderen.

Diese Bestimmung von Zugvögeln funktioniert bei Singvögeln recht gut, da es nur wenige Ausnahmen gibt. So ist das bekannte Rotkehlchen eine der wenigen Arten, die auch im Winter anzutreffen ist, während andere Schnäpper in den Süden fliegen. 

Es zeigt sich also: Wer genau hinsieht, weiß auch mehr 😉

Schafstelze

Mehr zum Thema Schnabelform und Ernährung sind bei der Deutschen Wildtierstiftung zu finden: https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/artikel/vogel-schnabel

Limikolenzug in der Oberlausitz und Umgebung

Während sich Weißstorch und Co. langsam fertig zum Abflug machen, treffen zahlreiche Arten des (europäischen) Nordens bereits bei uns ein. Während es in Nordskandinavien bereits zu Schneefällen kommt, machen sich viele Watvögel bereits auf den Weg, bevor Wasser- und Schlammflächen zufrieren. Denn diese benötigen sie zur Nahrungssuche. Die meisten Arten rasten an der Nordsee, einige überwintern sogar dort. Andere kommen -je nach Zugroute- aber auch durch Ostdeutschland und rasten in großen Teichgebieten. Von Sommerende bis Herbstanfang können zahlreiche Limikolen angetroffen werden, die es hier sonst nicht gibt. Auf dem nebenstehenden Bild ist ein Sichelstrandläufer zu sehen, über den ich mich besonders gefreut habe. Einzelne Arten überwintern auch bei uns. Viele sind unscheinbar, machen beim Beobachten aber besonders viel Freude. Dazu gehören beispielsweise Sandregenpfeifer, Grünschenkel und Bruchwasserläufer.

Genaues Hinsehen lohnt sich also!

Kampfläufer