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Könige der Alpen

Seltene Majestäten und versteckte Überlebenskünstler

Bartgeier: Der König der Lüfte und der Alpen
Der Bartgeier: Der König der Lüfte und der Alpen

Diesmal ein kleiner thematischer Ausflug in die Natur der Alpen. Wer dort überleben will, muss sich nicht nur besonders an die Umwelt anpassen, sondern auch seinen Widersachern trotzen. Doch mehr über die Könige der Alpen im Text:

Auf der Wiese und unter der Erde

Auf dem kalkhaltigen Boden einer besonnten Wiese wächst der Alpen-Enzian beinahe wie Unkraut. Auch einige Pflanzen des gefährdeten Edelweißes stehen dazwischen. 

Unweit entfernt spielen einige Murmeltiere im Gras. Sie rennen scheinbar um die Wette, stoppen abrupt und purzeln einen kleinen Abhang hinunter. 

Die Tiere leben in Familien und besetzen feste Territorien. Diese sind von einem großflächigen Tunnelsystem mit mehreren Ausgängen durchzogen.

Dadurch haben die Murmeltiere nicht nur einen Ausweg im Notfall, sondern vor allem immer einen sicheren Unterschlupf in der Nähe. Denn manchmal muss schnell geflüchtet werden.

Während die Jungtiere also balgen und das Kämpfen üben, sind die Großen auf Nahrungssuche. Mindestens einer muss aber immer aufpassen und die Umgebung im Auge behalten. 

Droht Gefahr, folgen mehrere schnelle Pfiffe aufeinander und alles geht in Deckung.

Ertönt jedoch nur ein einzelner schriller Pfiff, ist besondere Eile geboten. Denn dann kommt die Gefahr aus der Luft und ist viel schneller da, als etwa ein heranschleichender Fuchs am Boden.

Hoch in der Luft

So wird der kreisende Steinadler schon beim Näherkommen misstrauisch beobachtet. Der Vogel ist mit einer Flügelspannweite von über 2 Metern leicht auszumachen und kann im Flug Geschwindigkeiten von bis zu 125 km/h erreichen.

Die Art brütet mit nur gut 1000 Paaren im Alpenraum. 

Der größte König der Lüfte, der Bartgeier, hat in den Alpen nur einen Bestand von geschätzten 350 Vögeln, von denen immerhin einige nach der Wiederandiedlung erfolgreich brüten.

Der Aas- und Knochenfresser wurde aus Furcht ausgerottet. Der imposante Geier mit einer Flügelspannweite von 2,80 Meter wurde verdächtigt, das Vieh, insbesondere Schafe, zu stehlen. In Schauermärchen soll er sogar Kinder fangen. Der geflügelte Wolf, sozusagen.

Der Bartgeier beobachtet ebenfalls die Umgebung. Auch ihm entgeht nichts.

An den Steilhängen

An einem steilen Grashang sieht er einen weiteren König der Alpen:

Ein ausgewachsener Steinbock thront auf einem Felsen knapp unterhalb des höchsten Gipfels einer langgezogenen Bergkette. Er wacht über die Gruppe der übrigen Männchen, vor allem jüngere Tiere, die noch gemütlich in der Sonne liegen.

Ein Stück weiter unten sind einige Weibchen mit dem diesjährigen Nachwuchs und vorjährigen Männchen unterwegs. Auch hier behält immer mindestens ein Tier die Gruppe der ruhenden oder fressenden Steinböcke sowie deren Umgebung im Blick.

Ein Kitz macht seinem Bewegungsdrang Luft und springt wie ein Gummiball auf den Felsen auf und ab und rennt Runden um seine Mutter herum. Diese lässt sich aber nicht beeindrucken und frisst gelassen weiter.

Bei den kleineren Gämsen sind die Weibchen mit dem Nachwuchs in sogenannten Kindergärten unterwegs. Es wird gemeinsam auf die Jungtiere aufgepasst.

Im Gegensatz zu den Steinböcken sind die Männchen aber nicht in so großen Gruppen und gelegentlich auch alleine unterwegs. Die beiden Arten versuchen sich trotz vieler Ähnlichkeiten räumlich und zeitlich aus dem Weg zu gehen, nutzen aber dieselben Gebiete.

Aufstand gegen den König der Lüfte

Während der Geier noch kreist, kommt plötzlich eine Alpenkrähe heran und verfolgt ihn. Schnell eine Wendung und dem Rabenvogel mit dem markanten roten Schnabel hinterher! Doch die Krähe ist wendig und schon ist sie wieder der Jäger. Zwar muss sie kräftig mit den Flügeln schlagen, während der deutlich größere Vogel mühelos dahingleitet, aber abschütteln lässt sie sich nicht. Offenbar will sie ihn aus ihrem Revier vertreiben.

Schließlich verschwinden die beiden aus dem Blickfeld und es bleibt offen, ob seine Majestät den Aufstand niederschlagen konnte.

Von der aufmüpfigen Krähe abgelenkt, entging dem Geier der Blick, mit dem ein Langohr das Spektakel verfolgte.

Tarnung ist alles

Der Alpenschneehase kommt in einer Höhe ab 1.300 Metern vor. Jetzt im Sommer ist er braun und gar nicht so schneeweiß, wie ihn sich viele vorstellen. Er lebt sehr versteckt und passt seine Tarnung im Laufe des Jahres an. Der Fellwechsel ist dabei an der Tageslänge orientiert und nur durch die Temperaturen verstärkt. Werden die Tage länger, verliert er sein warmes, weißes Fell. Zum Verhängnis werden ihm aber Schneerester. Denn der Hase weiß nicht, dass er schon braun ist und bleibt ohne Tarnung auf dem Schnee sitzen. Natürlich kann es im Winter auch umgekehrt vorkommen, wenn nicht flächendeckend Schnee liegt.

Sonst aber ist er bestens an das Leben in den Bergen angepasst. So kann er beispielsweise seine Körpertemperatur über die Ohren regulieren und die Haare seines Fells sind hohl. Dadurch isolieren sie gut.

Das seltene, gefährdete „Wildtier des Jahres“ ist eine von sechs Hasenarten in Europa. 

Ihm zu begegnen ist fast unmöglich. Er versucht den Menschen und mit ihm verbundene Störungen weitestgehend auszuweichen.

So habe ich mich bereits gefreut, als ich im Sommer in der Schweiz ‚Nesquik‘, die kleinen, braunen Hinterlassenschaften, gesehen habe…

Die Anpassungsfähigkeit der Tiere und Pflanzen sowie ihre besonderen Ausprägungsformen im Gebirge sind einfach faszinierend. Die Liste könnte noch ewig fortgeführt werden, mit weiteren Pflanzen oder Faltern und noch vielen anderen, teils gefährdeten Arten…

Weitere interessante Fakten zu den Greifen der Alpen sind hier zu finden: https://hohetauern.at/de/forschung/greifvogelmonitoring.html

Mehr zu anderen Wildtieren, wie etwa dem Alpen-Schneehasen: https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere