– Rudolph besucht seine Verwandten

Zu Weihnachten kommt häufig die ganze Familie zusammen, Freunde und Verwandte werden besucht.
So geht auch Rudolph auf Reisen. Nicht nur, um mit dem Weihnachtsmann Geschenke zu verteilen, sondern auch, um seine vielen Artgenossen zu sehen.
fliegende Rentiere und ziehende Nomaden
Vielleicht überraschend, aber wahr: Außer Rudolph und seinen Kollegen vom Weihnachtsmann können Rentiere natürlich nicht fliegen 😉 Dafür sind sie gut zu Fuß unterwegs, sie wechseln ihre Nahrungsgründe, um immer genügend Futter zu finden.
Die Tiere leben in großen Herden zusammen, welche Schutz vor Beutegreifern bieten und aus mehreren hundert oder gar tausend Individuen bestehen können.
Die Menschen haben sich dem Lebensstil der Rentiere in früherer Zeit angepasst, da sie von den Tieren alles zum Leben notwendige bekamen: Fleisch, Felle, Knochen für Werkzeuge, …
Das Rentier gilt als die einzige Hirschart, die vom Menschen domestiziert wurde. Auch heute noch wird sie im hohen Norden Eurasiens „gehalten“. Nach wie vor ziehen die Herden durch die Gegend, sind aber nicht unbedingt wild, sondern werden gelegentlich zusammengetrieben.
Auch in Nordamerika ist die Art anzutreffen, wird dort allerdings als Karibu bezeichnet.
Vier Hirsche in Mitteleuropa
Rudolphs Aufenthalt in einigen Ländern Mitteleuropas, darunter auch Deutschland, dauert etwas länger. Denn hier muss der Schlitten nicht nur viele Häuser besuchen. Das Rentier hat auch viele Verwandte dort.
Der größte aller Hirsche, der Elch, lässt sich dort gelegentlich beobachten. Mit einer Schulterhöhe von bis zu zwei Metern und einem Gewicht von mehr als 500 Kilogramm ist der Riese eine imposante Erscheinung. Doch im Gegensatz zu Rudolph und seinen Verwandten ist er lieber allein unterwegs.
Eine Nummer kleiner, aber immer noch beeindruckend, ist der Rothirsch. Er bringt zwar nur etwa 150 Kilo auf die Waage, verschafft sich aber dafür umso mehr während der bekannten Brunft im September und Oktober lautstark Respekt.
Wie der Elch ist der Rothirsch auch gern in Wassernähe anzutreffen, jedoch häufig in Rudeln. Diese sind meist nach dem Geschlecht getrennt unterwegs.
Noch kleiner und mit bis zu 90 Kilogramm auch wesentlich leichter ist der Damhirsch. Die männlichen Tiere sind an ihrem Schaufelgeweih gut zu erkennen. Damwild wurde bereits vor Längerem durch den Menschen nach Europa eingeführt, ist dort aber inzwischen weit verbreitet.
Rudolphs kleinster Verwandter in Mitteleuropa ist das Reh, welches nicht einmal die Hälfte des Damwilds wiegt. Doch ist das auch ein Größenvorteil, da es bei Gefahr leichter im Dickicht verschwinden kann. Wie auch bei den anderen Arten liegt die Lebenserwartung bei bis zu fünfzehn Jahren.
Doch aus diversen Gründen erreichen nur die wenigsten Tiere dieses Alter. Neben natürlichen Ursachen spielen Jagd und Straßenverkehr eine wichtige Rolle.
Wahlen für den Artenschutz
Während die Deutsche Wildtierstiftung 2019 das Reh zum Wildtier des Jahres erklärte, wurde für das kommende Jahr der Rothirsch gewählt. Dieser ist auch durch die Zerschneidung seiner Lebensräume und mangelnden Genaustausch bedroht.
Um auf solche Probleme aufmerksam zu machen und den Schutz gefährdeter Arten zu fördern, stellt die Wildtierstiftung jedes Jahr einige Arten zur Wahl, welche dann den Titel „Tier des Jahres“ tragen.
Säbelzahn-Hirsche?
Auch in Asien hat Rudolph allerhand zu tun. Dort trifft er unter anderem auf die gefleckten Axishirsche und die im Osten lebenden Sikahirsche.
Aber auch einem eher unbekannten, entferntem Verwandten begegnet er dort: dem Wasserreh.
Bei dem nur circa fünfzig Zentimeter großen Tier bilden die Männchen kein Geweih aus. Dafür aber besonders große obere Eckzähne, welche an die Säbelzahn-Tiere der Eiszeit erinnern. Mit diesen Zähnen werden die Revierkämpfe zwischen den Einzelgängern ausgefochten.
Wie der Name sagt, lebt das Wasserreh in Nähe von Gewässern.
Nur einer in Afrika
In Afrika hält sich Rudolph nicht ganz so lange auf, denn dort ist nur wenig geeigneter Lebensraum zu finden. So gibt es auch nur eine Unterart des Rothirsches, den Berberhirsch, welche er in den nördlichen Ländern Afrikas (Algerien, Marokko und Tunesien) antreffen kann.
Klein und unscheinbar
In Südamerika sieht es schon wieder anders aus. Dort leben einige Arten wie der Sumpf- und der Pampashirsch. Die kleinen Tiere leben aber eher versteckt in Feuchtgebieten und Wäldern, weshalb Rudolph nur wenig mit ihnen anfangen kann.
Nahe Bekannte
Anders bei seinen näheren Verwandten in Nordamerika: Neben Elchen und Karibus leben dort auch Weißwedelhirsche und Wapitis.
Letztere gelten mit einer Schulterhöhe von 1,50 Meter als die zweitgrößten Hirsche und sind nah mit dem Rothirsch verwandt. So gibt es auch bei ihnen die typische Brunft und die Tiere sind in Rudeln unterwegs.
Australien
Zum Schluss besucht Rudolph auch noch aus Australien, allerdings nur zur Unterstützung des Weihnachtsmanns 😉
Denn hier gibt es keine eigenen Arten, die vorkommenden Tiere wurden zu jagdlichen Zwecken angesiedelt.
Weihnachten
Während das kleine, fliegende Rentier mit der roten Nase seine Verwandten besucht und Kinderaugen zum Leuchten bringt, haben auch Sie hoffentlich eine schöne Zeit.
Im Auftrag von Rudolph wünsche ich Ihnen frohe Feiertage und einen guten Rutsch!
In der ersten ganzen Woche des neuen Jahres wird es hier weitergehen.
Ich hoffe, dass Sie auch im nächsten Jahr das Naturjournal begleiten und wünsche Ihnen alles Gute!
Jessica Holland
Weitere Informationen zu unseren heimischen Arten und dem Wildtier des Jahres finden Sie unter anderem hier: https://www.deutschewildtierstiftung.de
