Zwischen Warnruf und Federlesen

Lautlose Jäger und Tiere der Weisheit, Gottesboten und unheimliche Wesen der Nacht: Kauz und Eule werden mit zahlreichen Vorstellungen in Verbindung gebracht, die sich seit Jahrtausenden halten. Diese zeigen nicht nur die Faszination der Menschen für diese wunderbaren Tiere, sondern auch, wie eng sie mit uns verbunden sind.
Doch wo leben sie? Und vor allem: Woher wissen wir, dass sie da sind – selbst wenn wir sie nicht hören oder sehen? Und wie reagieren andere Arten darauf?
Haus, Höhle oder ‚einfach so‘?
Während einige Arten, wie etwa der Steinkauz oder die Schleiereule, sich gern in der Nähe von Obstwiesen, Weiden, Ställen und Scheunen aufhalten, sind andere sehr heimlich im Wald unterwegs und nur selten anzutreffen. Dabei sind ältere Wälder mit Baumhöhlen vonnöten, denn die Käuze sind allesamt Höhlenbrüter.
Nicht so die Eulen. Denn abgesehen von der Schleiereule, welche gern Hohlräume von Gebäuden nutzt und dadurch vom Menschen abhängig wohnt, sind alle anderen Freibrüter. Das bedeutet, dass sie artabhängig entweder in Nestern anderer Vögel auf Bäumen (Waldohreule) oder häufig auch am Boden nisten.
Die Schleiereule ist ein seltener Kulturfolger, der nicht nur zur Nahrungssuche in der Nähe vom Menschen unterwegs ist. Doch auch der Uhu ist anpassungsfähig und findet beispielsweise in Steinbrüchen neuen Lebensraum.
So weit so gut, doch woher wissen wir nun, ob eine Art in einem bestimmten Gebiet vorkommt?
Großes Federlesen
Manchmal lassen sich Federn der Vögel finden, wodurch auf die Art geschlossen werden kann. Noch mehr als Federn lassen sich aber auch andere Hinweise feststellen. Dazu gehören beispielsweise Gewölle. Wenn man einmal einen als Ruheplatz genutzten Baum gefunden hat, können an diesem relativ zuverlässig immer wieder neue Hinterlassenschaften der Vögel entdeckt werden.
Die Gewölle bestehen aus allen unverdaulichen Resten, die mit der Nahrung aufgenommen und später ausgespien wurden. Mit der Untersuchung dieser kann unter anderem die Speisekarte einer Art erforscht werden, da die Knochen der verspeisten Kleinsäuger und Panzer von Käfern erhalten bleiben.
Einige Arten hinterlassen an ihrem Esstisch aber auch weitere Hinweise auf ihre Anwesenheit. So sind für den Uhu die Igelhäute typisch. Er frisst nur das Innere der Stacheltiere und lässt die Schale übrig. Ebenso können Rupfungen einen Hinweis auf die Anwesenheit der Eulen geben. Wird ein Vogel gerupft, kann an den verbliebenen Federn leicht festgestellt werden, ob ein Säugetier, wie beispielsweise der Fuchs, oder aber ein Greif- oder Eulenvogel erfolgreich Beute gemacht hat. Denn Vögel ziehen die Federn unbeschädigt heraus, während Füchse sie an den Kielen abbeißen. Die abgebrochenen Stellen sind dann gut erkennbar.
Unsere größte heimische Eule, der Uhu, kann auch andere große Vögel bis hin zum Mäusebussard erlegen. Ein großer Greifvogel, der durch einen anderen Vogel gerupft wurde, weist somit schon relativ sicher auf die Anwesenheit des Uhus hin.
Während kleinere Eulen und Käuze vor allem Nager und Singvögel auf dem Speiseplan haben, wirkt sich die Anwesenheit des Uhus auch auf größere Arten aus.
Interaktion: Was die anderen so erzählen
Am allereinfachsten ist natürlich, wenn man die Art direkt antrifft beziehungsweise während ihrer Aktivitätszeit (und vornehmlich während der Balz) rufen hört. Die Balz hat ihren Höhepunkt bei den meisten Arten im Winter, wobei etwa der Waldkauz aber vereinzelt auch schon im Spätsommer zu rufen beginnt. Doch dazu muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Nicht alle Arten sind ausschließlich nachtaktiv und die Reviere sind groß.
Dennoch kann man von dem Vorkommen oder Verhalten anderer Vögel auf das Vorkommen einer Art schließen. Der kleinste Kauz etwa, der Sperlingskauz, ist durchaus in einem Uhurevier anzutreffen, da in diesem definitiv kein Waldkauz vorkommt. Denn die Nahrungskette ist mit der Größe der Vögel aufgebaut. Sperlingskäuze in Waldkauzrevieren rufen viel verhaltener, um den größeren Kollegen und Fressfeind nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen.
Aber auch außerhalb der Familie der Eulen sind Reaktionen erkennbar.
So warnt ein Zaunkönig, wenn er den Ruf eines Sperlingskauzes hört, selbst wenn dieser nicht vom Kauz stammt, sondern nur nachgepfiffen wurde. Ein Zeichen, dass die Art in dem Gebiet vorkommt, denn sonst würden Singvögel den Ruf vermutlich nicht kennen und darauf reagieren.
In einem Gebiet, wo seit diesem Jahr ein Uhu vorkommt, verlief die Balz und Brut der Ringeltauben wesentlich unauffälliger als in den Vorjahren, wo die Tauben ständig zu hören waren und durch die Bäume flogen. Sie haben sich an den unliebsamen Mitbewohner angepasst und versuchen, möglichst wenig aufzufallen, um ihm zu entgehen.
Es ist interessant, wie die Interaktion zwischen den Arten funktioniert und wie alles zusammenhängt. Wer lange beobachtet, kann sich so auch jene Dinge erschließen, die ihm unmittelbar verborgen bleiben würden.
Es lohnt sich also mal wieder, genau hinzusehen (und zu hören) 😉
Steckbriefe und weitere interessante Merkmale heimischer Eulen und Käuze unter: https://www.lbv.de/ratgeber/tipps-voegel-bestimmen/leicht-verwechselbar/eulen/
