– Zwischen Brunftschrei, Spinnennetz und Käuzchenruf

Ende August
Fressen und gefressen werden…
Um die Holzbank am Teich schwirren Mücken. Des einen Leid, des anderen Freud.
Während ich die summenden Tierchen immer wieder weg wedele – zum Leid des Katers auf meinem Schoß, da ich nicht ruhig sitze – sausen die Fledermäuse gewandt durch die Dunkelheit. Manche Arten fressen bis zu 4000 Mücken in einer Nacht.
Die Wasserfledermäuse sind in der lauen Spätsommernacht nochmal besonders aktiv und fliegen nur knapp über der Wasseroberfläche. Etwas oberhalb jagen die Zwergfledermäuse. Drei der 25 Fledermausarten Deutschlands sind hier unterwegs. Denn auch der Große Abendsegler ist zu hören.
Für mich zum Glück noch, denn nur Kinder und Menschen mit einem sehr guten Gehör können die Ortungslaute im Grenzbereich unserer akustischen Wahrnehmung hören. Die obere Gehörgrenze liegt bei maximal 20.000 Hertz. Die beiden kleineren Fledermausarten rufen mit 40 bis gut 50 Kilohertz.
Die Größe der Fledermäuse weist auf die Frequenz ihrer Rufe hin. Denn größere Arten jagen eben auch dort, wo sie mehr Platz haben. Etwa über den Baumkronen oder über Wiesen. Kleinere Arten kommen besser zwischen Hindernissen, wie Bäumen, durch, müssen in ihrem schnellen Flug aber auch häufiger überprüfen, ob sich ein Hindernis in ihrer Flugbahn befindet. Deswegen rufen sie in höherer Frequenz, welche ebenso schnell wieder zu ihnen zurückkommt. Noch sind sie fleißig unterwegs. Bald beginnt aber die Paarungszeit und gleich darauf werden sich die agilen Flieger in ihre Winterquartiere zurückziehen.
Das Katerchen murrt wieder. Die Mücken denken auch an ihren Nachwuchs, weshalb sie zu aufdringlichen Blutsaugern werden. Denn zur Bildung der Eier sind sie auf das Protein von Wirbeltierblut angewiesen…
Wer ruft denn da?
Ein Bellen lässt uns beide aufblicken. Es ist aber kein Hund aus dem Dorf. Klingt eher nach erkältetem Kranich.
Die Rehe haben jetzt Paarungszeit. Während der Dämmerung hatte ich einen Bock gesehen, der zwei Ricken über die Wiese trieb. Blökend folgte er ihnen. Die herzförmigen weißen Spiegel der Ricken waren gut zu erkennen. Nachdem sie im Wald verschwunden waren, kamen die beiden Ricken etwas später wieder um zu äsen.
Leider bemerkten sie mich nach einer Weile und äugten misstrauisch herüber. Es tat mir leid, dass meine bloße Anwesenheit Stress auslöste. Häufig werden sich gleichförmig, geradlinig bewegende Objekte weniger als Bedrohung wahrgenommen als ein Mensch, der stehenbleibt oder sich anders auffällig verhält. So sind Rehe oft in der Nähe von Straßen zu beobachten, wo sie sich von den Fahrzeugen nicht stören lassen, solange keines anhält.
Als es dunkler wird, entfernt sich das gelegentliche heisere Bellen. Die Nacht ist sternenklar. Es ist immer noch nicht kalt und ich beschließe, noch etwas sitzen zu bleiben. Zur Freude des roten Tigers, der wohlig auf meinen Beinen liegt und schnurrt. Eigentlich ist der Schoßwärmer bei den Temperaturen nicht notwendig, aber ich bringe es nicht übers Herz, ihn runterzusetzen. Und besser als in der stickigen Dachkammer ist es allemal.
Ruhen die Einen, toben die Anderen…
Da hier keine Stadt in der Nähe ist, das Haus etwas abseits steht und keine Lichtquellen das Dunkel stören, sind sehr viele Sterne zu sehen. Der Große Wagen steht über dem Wald.
Aus diesem klingt jetzt ein anderes Rufen herüber. Auch der Waldkauz beginnt nun langsam seine Reviere wieder kundzugeben. Im Herbst beginnt bei ihm die Balz.
Da soll nochmal jemand behaupten, im Spätsommer wäre nichts mehr los in der Natur.
Klar, das vielstimmige Konzert der Singvögel ist längst vorüber, viele Tiere sind während und nach der Jungenaufzucht heimlich geworden. Die Felder sind teils schon abgeerntet und der Storch, den ich heute noch beobachten konnte, wird sich wie viele andere auch bald auf den Weg nach Süden machen. Doch für viele Tiere kommt mit dem Spätsommer auch ein Höhepunkt des Jahres.
Während man aufpassen muss, nicht von den nochmal liebestollen Hasen über den Haufen gerannt zu werden, haben auch unscheinbarere Mitbewohner Paarungszeit. Nicht alle von ihnen sind zu hören, aber manchmal zu sehen.
…im nächsten Beitrag geht’s weiter…
